Blog

Hilfsgütertransport
Wie naiv ich war!

Als wir vor 27 Jahren den ersten Hilfsgütertransport auf die Fahrt in die Ukraine schickten, habe ich mir keinerlei Gedanken über die Zollformalitäten gemacht. Ich dachte: wir tun Gutes und helfen einfach. Ich hatte keine Vorstellung von dem, was dazu gehört.
Kinderwindeln waschen, Tränen trocknen, Mittagessen kochen, Kinderzimmer aufräumen - das waren meine Hauptbeschäftigungen. Da kannte ich mich aus.
Aber von dem internationalen Güterverkehr und den entsprechenden Vorschriften und Regeln ... hatte ich null Ahnung!
Dass schon unsere ersten Hilfsgüter gut und verlässlich ans Ziel kamen, ist für uns ein Wunder! Als wir dies Stück für Stück begriffen, haben wir wieder und wieder Gott dafür gedankt! Und wir danken denen, die uns in die die nötigen Fomalitäten eingeführt und uns nach und nach die Regeln erklärt haben!

Einfuhrbestimmungen
Wenn man mit größeren Mengen irgendwelcher Sachen Grenzen überschreitet, muss man geltendes Recht beachten. Das gilt an jeder Grenze. Nun, dass wir weder Waffen noch Narkotika schicken - das ist für uns selbstverständlich. Aber es gibt auch Höchstmengen und -werte, die man pro reisender Person mitführen darf. Ein Lkw-Transport braucht Fahrgenehmigungen und er muss sowohl beim deutschen Zoll, im Transitland und im Empfängerland gemeldet werden. Normalerweise unterliegen eingeführte Waren dem Einfuhrzoll. Wenn man humanitäre Hilfsgüter bringt, müssen diese als solche erfasst, geprüft und von Zollgebühren befreit werden. Auch dazu gibt es Vorschriften. In der Ukraine müssen alle Einfuhren von humanitärer Hilfe über den Tisch einer Regierungskommission beim Sozialministerium in Kiew  gehen. Erst wenn diese Kommission für humanitäre HIlfe die gemeldeten Waren als humanitäre HIlfe anerkannt hat, kann das Verfahren abgeschlossen und die Lieferung freigegeben werden.

Frachtpapiere, Zollanmeldung, Fahrgenehmigungen, Maut
Und so brauchen wir für unsere humanitären Hilfsgütertransporte viele Papiere, z.B. eine genaue Erfassung der Ladung mit Art, Stückzahl, Brutto und Nettogewicht, statistischem Wert. Wir melden die Ausfuhr beim deutschen Zoll an. Dazu braucht unsere Organisation eine Registrierung. Mit der Überlassung zur Ausfuhr und unserem Dokumentenpaket kann die Fahrt starten. Der Lkw braucht eine Fahrgenehmigung für alle fremden Länder, durch die er fährt. Die muss der Fahrer ordnungsgemäß und rechtzeitig ausfüllen. Und die geltenden Mautbestimmungen sind zu beachten. Auch der Empfänger unserer Hilfsgütersendungen braucht eine Registrierung. Hat er diese nicht, geht der Transport nicht über die Grenze.

Es geht!
Wenn alle Papiere in Ordnung sind, der Ladung entsprechen und nichts Verbotenes dabei ist, klappt das an der Grenze nach unseren Erfahrungen - früher oder später. Es geht nicht immer so schnell, wie wir es gern hätten. Aber es ist noch kein Transport unverrichteter Dinge zurückgekommen.

22.07.2021 Elisabeth Kunze