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Kurzbericht Krimtour November 2006
Für diese Fahrt hatten wir einen umfangreichen und detaillierten
Plan ausgearbeitet, wie man ihn nur machen kann, wenn die Beteiligten
interessiert und mit Sachkenntnis dabei sind und das Anliegen
unterstützen. Gute Voraussetzungen dafür waren gegeben, da die
Speditionsfirma Alfred Talke wieder einen für diese Aufgabe besonders
geeigneten Fahrer zu uns geschickt hatte.
So konnten wir alle wichtigen Aufgaben erfolgreich erfüllen.
Unsere Schwerpunkte
Unser Hauptziel war die Übergabe von humanitären Hilfsgütern in
Simferopol. Für Baptistenkirchen auf der Krim hatten wir von uns
gesammelte, sortierte Hilfsgüter geladen: Bekleidung, Schuhe,
Bettzeug, Geschirr, Haushaltstechnik, Spielzeug, Fahrräder, Kinderwagen,
Rollstühle, Stühle, Betten und Matratzen. Diese Hilfsgüter werden
an Bedürftige verteilt, auch in kleineren Gemeinden auf den Dörfern,
sowie z.B. an Kinderheime und Krankenhäuser.
Rund ein Zehntel der Ladung waren Hilfsgüter von Mitgliedern des
Fürstenberger Fördervereins Ravensbrück, die für ehemalige KZ-Häftlinge
und Zwangsarbeiter bestimmt sind und von dem Partnerverein in
Simferopol verteilt werden.
In Odessa durften wir eine größere Spende vom Verein "Humanitäre
Hilfe e.V." für Mitarbeitergehälter in dem Kinderzentrum "Lebendige
Hoffnung" übergeben. Niemand hatte dort damit gerechnet und die
Freude war sehr groß, gerade weil dieser Spendenzweck gewöhnlich
selten bedacht wird.
Ein lange geplantes Gespräch konnten wir mit einem Mitarbeiter
der Kommission für humanitäre Hilfe beim Ministerium der Ukraine
führen. Einer unserer Partner aus Charkow kam dazu nach Kiew.
Unser Hauptanliegen, ein Unterstützungsbrief für unsere Organisation,
den wir zeigen könnten, um am Zoll und bei der Polizei besser
durchzukommen, wurde uns hier versprochen.
Die Kommission sieht ihre Hauptaufgabe in der Unterstützung von
humanitärer Hilfe, nicht in der Einmischung. Sie macht auch keine
Vorgaben, wer als nächstes mit humanitärer Hilfe bedacht werden
sollte.
In Shitomir galt es, die Situation und die Partner zu prüfen.
Hierher hatten wir bereits im Laufe der Jahre 2003 bis 2006 je
einen Transport geschickt. Zunächst bekamen wir ordentliche Briefe,
Dankbriefe, Abrechnungen, Fotos usw. Aber in letzter Zeit ließ
das nach und zum Schluss sehr zu wünschen übrig! Im Jahre 2006
erhielten wir als einzige Reaktion auf unseren Transport im Februar
(außer Anrufen, wann wir wieder was schicken) ein paar Fotos,
die wenig mit der humanitären Hilfe zu tun hatten.
Unser Gespräch fand wieder in einer anderen, für mich neuen, Gaststätte
statt. Die Antworten unserer Partner auf meine Fragen waren z.T.
wenig konkret bis ausweichend. Die Eindrücke des Fahrers und von
mir waren unterschiedlich, aber in einem waren wir uns einig:
Die Zweifel bleiben. Für mich ist mindestens der Maßstab ihrer
Arbeit zu groß. Sie bitten verschiedene Organisationen um humanitäre
Hilfe, bekommen ca. 10 Lkw-Ladungen im Jahr. Solch eine Menge
können zwei Einzelkämpfer nicht verlässlich verteilen! Sie fungieren
maximal als Agentur für humanitäre Hilfe und sind damit nicht
unsere "Traumpartner". Wir arbeiten lieber mit denen zusammen,
die kleinere Mengen verwalten, dafür aber selbst Verantwortung
für die Verteilung und Kontrolle übernehmen.
Unsere Konsequenz: Vor einer weiteren Tiefenprüfung geht jetzt
von uns nichts mehr dorthin.
Unsere Nebenziele:
Weiter konnten wir in Zyropinsk ein Kinderheim besichtigen, das
von der Osteuropahilfe Lychen seit Jahren unterstützt wird. Es
war beeindruckend, mit welchem Engagement hier die z.T. schwer
behinderten Kinder betreut werden. Fasziniert haben uns die vielen
kleinen und größeren Handarbeiten und Kunstwerke, die im Werkunterricht
entstehen. Da waren Gipsbilder, Laubsägearbeiten mit Brenntechnik
verziert, Wandbilder aus gefärbtem Sand, aus Fischgräten, Stroh
und vieles andere mehr. Aber selbst für die einfachen Materialien
wie Gips ist kein Geld vorgesehen. Die Mitarbeiter legen dafür
zusammen.
Im Gegensatz zu einem Heim in der Nähe von Charkow, das ich vor
ein paar Jahren besucht habe, war dieses Heim in Zyropinsk ein
Vorzeigeobjekt. Die Schlafzimmer sind hell und mit schönen Möbeln
ausgestattet, die Kinder haben Rollstühle, es gibt verhältnismäßig
gut ausgestattete Unterrichtsräume.
Für eine Schule in Volotshisk hatten wir ein paar Kartons deutsche
Kinder- und Jugendbücher dabei. Noch mehr wünschen sich die Lehrer
dort deutsche Lehrbücher, nach denen bei uns unterrichtet wird.
Sie möchten sehen, was deutsche Pädagogen für deutsche Kinder
schreiben.
In Poltava haben wir uns etwas Zeit für Gespräche über geplante
Projekte genommen. Von weiterhin hoher Priorität sind die Tischlerei
und ein familiäres Kinderheim. Die Preise für Boden und Baumaterialien
steigen beständig, so dass es ratsam wäre, bald damit zu beginnen.
Pastor Dmitrij sucht dringend nach Möglichkeiten, einen Kredit
aufzunehmen und anzufangen. Gern will er, bevor er weiter nach
Sponsoren sucht, unter Beweis stellen, dass er arbeiten kann und
ein verlässlicher Partner ist.
Was noch dazukam:
Mit Sascha, einem unserer Partner aus Charkow, führten wir ein
Gespräch, bei dem er der Ukraine-Hilfe eine Zusammenarbeit vorschlug.
Er wolle einen Lkw kaufen und ins Transportgewerbe einsteigen.
Er könne das aber nur tun, wenn ich ihm zusagen würde, dass er
die humanitären Hilfstransporte für uns fahren kann. Ein gutes
Geschäft für beide Seiten? Ich war froh, mich hinterher mit dem
Fahrer beraten zu können. Wie sie auch ausfällt: es ist keine
leichte Entscheidung.
Natürlich hat uns auch die Polizei nicht unbehelligt gelassen:
ein Beamter hielt uns mit dem großen Lkw an, um zu fragen, ob
wir Euromünzen dabei haben, die in seiner Sammlung noch fehlen.
Andere Posten suchten eine Mitfahrgelegenheit für ihren Kollegen.
Ein dritter Uniformierter suchte dringend einen Grund, uns abzocken
zu können. Was ihm nicht alles einfiel! Zum Schluss, als alles
nicht stichhaltig war, fragte er, ob wir dem Herren Offizier was
fürs Bier geben.
Diese zehn Tage haben meinen Erfahrungsschatz bereichert und mir
tiefere Einblicke in ukrainisches Leben gegeben.
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