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Der Anfang

Unsere Arbeit ist hervorgegangen aus Kontakten zu russischen Kasernen in unserer Umgebung. Wir waren nach der Wende als Christen aus der Lobetaler Kirchgemeinde unterwegs, um russischen Soldaten, Offizieren und ihren Familien Bibeln zu verteilen und die Frohe Botschaft durch verschiedene Kontakte weiter zu geben. Als die Streitkräfte der GUS abzogen, haben wir uns Gedanken gemacht, was unsere nächste Aufgabe sein könnte.

Erste Sendung

In dieser Zeit haben wir mehrmals aus unterschiedlichen Quellen von der schwierigen Lage in der Ukraine gehört. Als sich die Gelegenheit ergab, haben wir einem Ukrainer, der nach Hause fuhr, ein kleines Lieferauto gefüllt mit Kleiderspenden und Lebensmitteln. Wir hatten hier inzwischen Kontakt zu einem Arzt, der aus Charkow kommt und in unserer Einrichtung arbeitet. Er erzählte uns, wie gerne er seinen ehemaligen Kollegen und Patienten helfen würde. In dieses Krankenhaus ging unser kleiner "Test"transport. Die Lebensmittel waren für Mitarbeiter gedacht, die zu der Zeit (1994) schon sehr unregelmäßig ihren Lohn erhielten. Was wir ihnen damals schickten, waren eigentlich eher unbedeutende Mengen.
Die Reaktionen auf diese Sendung waren für uns unvorstellbar: Mit Tränen in den Augen haben die Leute dort gestanden und gesagt: "Das da jemand an uns denkt! Wir haben gedacht, wir wären von Gott und aller Welt vergessen." Die Mitarbeiter haben die Lebensmittel nicht für sich genommen, da sie sagten, den Patienten ginge es wesentlich schlechter. Darum haben sie das wenige sehr gestreckt und ca. 90 Patienten ein Vierteljahr lang täglich ein klein wenig zusätzlich gegeben.
Das war für uns ein deutliches Zeichen, hier weiter zu machen. Unser Gemeindekirchenrat steht hinter dieser Initiative. Wir bekamen einen großen Raum und sammeln seither ganz verschiedene Dinge, die in Charkow für das tägliche Leben gebraucht werden.
Aus so großer Entfernung war es nicht unser Ehrgeiz, dort eine ganz neue Arbeit zu beginnen. Wir wollten vielmehr den engagierten Menschen vor Ort etwas in die Hand geben, damit sie ihre Arbeit besser und wirkungsvoller ausführen können.
Über den ukrainischen Arzt und durch seine Beratung von Anfang an, konnten wir gezielt helfen. Immer wieder haben wir nachgefragt, was wo am dringendsten benötigt wird und uns bemüht, hier zu sortieren, wer was bekommt. Die Kartons sind numeriert und adressiert an die jeweiligen Empfänger. Alle bekommen eine Liste der Pakete, die für sie bestimmt sind.
Jedes Jahr fuhren etwa zwei Lkws, anfangs mit 30m³, später 75m³, dann ca. 90m³ Hilfsgütern, nach Charkow.

Unterstützung der Ukraine-Hilfe

Unsere Arbeit wurde anfangs in erster Linie von Gemeindegliedern aus Lobetal getragen und unterstützt. Im Laufe der Jahre haben sich allerdings darüber hinaus Freunde, Verwandte und Arbeitskollegen unserer Gemeindeglieder und Nachbarn sowie wiederum deren Bekannte in unsere Arbeit mit eingebracht. Russischklassen des Gymnasiums, Gemeinden aus dem Barnim und Berlin und darüber hinaus sammeln Sach- und Geldspenden. Einige Leute kommen auch von außerhalb zum Packen.

Fernseh-Unterstützung

Am 1. März 2000 wurde im ORB-Fernsehen eine Sendung in der Reihe "Zeit läuft" zur Lage in der psychiatrischen Klinik in Charkow ausgestrahlt. Dadurch hat unsere Arbeit einen guten Aufschwung erhalten - der bei der schlimmen Lage dort auch dringend nötig ist. Im Ergebnis konnte am 6./7. April ein erster Transport direkt für das Krankenhaus geladen werden, zwei weitere folgten im Mai, je einer im Oktober, im Dezember und im Februar 2001. Wir hoffen, dass wir damit den Menschen dort spürbar helfen konnten.

Weihnachten

Im vergangenen Jahr haben wir eine Weihnachtspäckchen-Aktion für die Kinder von Charkow gestartet. Zu 2000-Jahre-Weihnachten, konnten in den Kindereinrichtungen der Stadt Weihnachtsfeiern von Baptisten-Gemeinden veranstaltet werden, zu deren Ende jedes Kind ein Geschenk sollte. Dazu kamen hier 5000 Päckchen zusammen. Sie wurden an mehr als dreißig Kinderheime, Schulen, Gemeinden usw. verteilt, z.B. auch an die kinderreichen Familien eines Stadtbezirkes, an eine Schule für hörgeschädigte Kinder, an ein Heim mit lernbehinderten Kindern, an Familien der in Afganistan gefallenen Soldaten und an Kinder auf den Stationen der psychiatrischen Klinik und an Mitarbeiterkinder. Alle Kinder und Eltern haben sich sehr gefreut, sie haben noch nie solche schönen und vielfältigen Geschenke bekommen.

"Träume"

Wir wünschten uns, in Zusammenarbeit mit auf diesem Gebiet erfahrenen Partnern, bauliche Veränderungen im Krankenhaus anschieben zu können. Die bauliche Substanz ist zum Teil dermaßen abbruchreif, wir können nicht verstehen, wie man da noch Menschen unterbringen kann!

aufgeschrieben 2001 von Elisabeth Kunze

 

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